Von:
Winfried Gringmuth

e-eisenbahn.de

Auf meinem Schreibtisch liegt – nein, steht ein kleiner Schlüsselanhänger. In Form einer Dampflokomotive. Drücke ich oben auf einen der Dampfdome, dann pfeift, bimmelt und zischt das kleine Teil. Spielzeug halt. Aber dennoch mit einer unglaublichen Faszination.

Das Miniaturwunderland ist zu der Einrichtung mit den höchsten Besuchszahlen in Hamburg geworden – eine Eisenbahn-Spielzeuglandschaft. Liebevoll gestaltet mit ganz vielen kleinen Details am Rande – wie im echten Leben. Ich könnte mich da einmieten!

Ausgerechnet die Eisenbahn, vor deren ersten Fahrten in Deutschland gewarnt wurde, die hohe Geschwindigkeit könne die Gesundheit beeinträchtigen. Doch der Reiz dieser neuen Art von Fortbewegung überwog alle Bedenken – und die wirtschaftliche Bedeutung war einfach überwältigend.

In unseren Tagen ist die Eisenbahn längst keine Lustbarkeit mehr, sondern Bewegungsmittel für vermutlich Milliarden von Menschen. Geschwindigkeit ist zur Frage von Beherrschbarkeit und dem Verhältnis von Kosten und Nutzen geworden.

Aber wenn eine Fahrt mit einem historischen Zug und einer Dampflokomotive angeboten wird, sind die Plätze in kürzester Zeit ausverkauft, auch wenn sie recht teuer sind. Wie das? Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“? Vielleicht. Vielleicht deswegen, weil wir ja die seltsame Erfahrung machen, die Zeit würde immer schneller vergehen, je älter wir werden – und früher war mehr Zeit, auch beim Unterwegs-Sein ...

Vielleicht ja auch deswegen, weil „richtige“ Eisenbahn-Fahrten länger dauerten. Und die Mitreisenden im Abteil – als es das noch gab – ein bisschen zur Reise-Familie wurden. Ein winziges Stückchen vom Erlebnis, dass wir tatsächlich Schwestern und Brüder in dieser Schöpfung sind. Ein bisschen Erlebnis, dass das Zuhause größer ist als die Wohnung. Ein wenig, dass auch unter ganz Fremden Frieden möglich und Gott Vater ist – einfach so. Frei nach dem biblischen Motto: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen."

Vielleicht steht das im Hintergrund, wenn es um die Eisenbahn in Hamburg oder bei mir im Garten geht: Im Unterwegs des Lebens ein wirkliches Zuhause zu kennen.